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Perspektivwechsel – Roboter vernichten keine Arbeitsplätze, sondern sichern unseren Wohlstand

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Roboter vernichten keine Arbeitsplätze, sondern sichern unseren Wohlstand | Alexander Bode

B eim Einsatz von Robotern denken die meisten Menschen direkt an die Vernichtung von Arbeitsplätzen und völlig autonom funktionierende Systeme. Diese Skepsis ist in Deutschland gute Tradition, schon 1978 titelte der SPIEGEL mit einem Roboter und dem markanten Credo „Fortschritt macht arbeitslos“.

40 Jahre später können wir festhalten, dass sich diese Befürchtung nicht ansatzweise bestätigt hat. Mit 42 Millionen Beschäftigten sind mehr Menschen in Deutschland in Arbeit, als jemals zuvor und dass obwohl Industrie, Handel und sogar Verwaltungen seit vielen Jahren die Digitalisierung ihrer Prozesse massiv vorantreiben. Eine aktuelle Studie des WEF aus dem Jahr 2018 geht sogar davon aus, dass zwar weltweit bis 2022 75 Millionen Arbeitsplätze durch Maschinenarbeit verschwinden, aber nicht weniger als 133 Millionen ganz neue Jobs entstehen. Und dies ist erst der Anfang eines umfassenden Transformationsprozesses (Quelle: http://meschmasch.de/2018/09/19/fortschritt-macht-arbeitslos-nicht/).

Neue Jobprofile und Fachkräfteersatz!

Unter diesen 133 Millionen Jobs werden Jobprofile sein, die wir heute noch gar nicht exakt kennen. Es bedarf eines kleinen Gedankenexperiments, um sich das für die Zukunft vorzustellen: Vor einhundert Jahren waren 38% der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft tätig, ihre Arbeit war ein essentieller Bestandteil des Wirtschaftssystems und für die Ernährung der Bevölkerung (Quelle: https://www.bauernverband.de/12-jahrhundertvergleich).

Hätten Sie sich damals auf einen Marktplatz gestellt und den Menschen erzählt, dass in einhundert Jahren nur noch weniger als 1% der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft tätig sind, wären Sie mit großem Unverständnis konfrontiert worden. „Von was sollen wir uns dann ernähren?“ oder „was sollen die Menschen ohne ihre Arbeit dann machen?“ wären wahrscheinlich noch die wohlwollenden Fragen gewesen. Hätten Sie dann noch angefangen von Millionen neuer Jobs in der „Informationstechnologie“ zu erzählen und von selbstfahrenden Erntemaschinen die über Satelliten im Weltall gesteuert werden, hätten sich die Menschen kopfschüttelnd von ihnen abgewendet. In gleicher Art und Weise diskutieren wir heute den Jobverlust durch den Einsatz von Robotern. Dabei sind die Bedingungen für eine geordnete Transformation unserer Arbeit und den Einsatz von Robotern in der Zusammenarbeit mit Menschen geradezu ideal. Unsere demografische Entwicklung sorgt dafür, dass wir in den nächsten 10 Jahren eine große Menge an Facharbeitern in den Ruhestand schicken, für die es zahlenmäßig in den jungen Generationen keinen Ersatz gibt. Dieses Problem bekommen wir auch nicht über eine qualifizierte Zuwanderung gelöst, da hierfür eine Größenordnung von 250.000 Zuwanderern pro Jahr notwendig ist.

Folglich bleibt uns nur die Möglichkeit, durch den Einsatz von Robotern die Produktivität der menschlichen Arbeitskraft zu steigern , wollen wir unser Wohlstandsniveau halten. Was sich dazu grundlegend ändert, ist die Art der Tätigkeit und die Zusammenarbeit zwischen Menschen und Maschine. Künftig werden Industrieroboter nicht mehr in Käfigen agieren, sondern „Hand in Hand“ mit den Menschen arbeiten. Neueste Sensor- und Sicherheitstechnik macht dies möglich. Auch in anderen Bereichen werden die Roboter Einzug halten, angefangen von Dienstleistungen im Handel bis hin zum Haushalt und sogar in der Pflege oder Medizin. Dies wirft grundlegende Fragen nach unserem Verständnis im Umgang mit Robotern auf, die wir uns am Beispiel der Pflege anschauen können.

Maschinenunterstützung ermöglicht menschliche Pflege

Wie die Prognosen zeigen, steigt die Zahl der Pflegebedürftigen kontinuierlich und in einem Maße, dass es fast unmöglich erscheint, den Bedarf an Pflegekräften über den Arbeitsmarkt zu decken. Schon heute haben wir bei knapp 3 Millionen zu Pflegenden ein Defizit an Pflegekräften, was sich in den kommenden Jahren noch verschärft. Trotz dieses Mangels sind aus ethischer Sicht unsere Anforderungen an die Pflege enorm hoch, schließlich sollen die alten Menschen ihren Lebensabend in Würde verbringen und nicht als „Massenware“ behandelt werden.

 

Anzahl der Pflegebeduerftigen – Statistisches Bundesamt

 

Zu den notwendigen empathischen Fähigkeiten und der Freude, alten Menschen zu helfen, bedarf die Arbeit als Pfleger auch einer guten körperlichen Verfassung. Schließlich gilt es die Menschen aus dem Bett zu heben und ähnlich anstrengende Tätigkeiten. Hier würde sich wie in der Industrie der Einsatz maschineller Unterstützung lohnen, um typische Krankheitsbilder wie Rückenleiden oder Gelenkverschleiß zu minimieren und den Pflegekräften somit eine gute Arbeit bis zur Rente zu ermöglichen.

Bereits der Gedanke daran, dass ein Roboter in der Pflege eingesetzt wird, stößt in Deutschland bei vielen auf Ablehnung, schließlich sei es „unmenschlich“, die Vorstellung, dass man von einem Roboter herumgehoben wird. Dabei wird die Diskussion meines Erachtens aus der falschen Perspektive geführt. Schaut man sich die Bedingungen für die Pflegekräfte an, ist hier im aktuellen System – ohne Pflegeroboter – auch von zum Teil unmenschlichen Bedingungen auszugehen. Es bleibt faktisch keine Zeit mehr für die persönliche Interaktion mit den Pflegebedürftigen, da die Betreuungszahlen immer größer werden. Am Ende reicht die Zeit gerade noch die notwendigsten und nicht unbedingt angenehmsten Tätigkeiten durchzuführen. Dass dies nicht nur körperlich, sondern auch psychisch belastend sein kann steht außer Frage.

Stellen wir uns also das Team bestehend aus Pflegeroboter und menschlicher Pflegerin vor, die Hand in Hand die Aufgaben erledigen. Für die Pflegerin bleibt etwas Zeit, mit den Pflegebedürftigen zu kommunizieren, während der Pflegeroboter die notwendigsten Aufgaben erledigt. Der Roboter ermöglicht also mehr Zeit für das Zwischenmenschliche und entlastet die Pflegekraft spürbar körperlich in ihrem Job. Am Ende erreichen wir damit nicht nur eine höhere Produktivität (betreute Pflegefälle pro Pfleger), sondern dass sich die Pfleger auf die zwischenmenschliche Beziehung konzentrieren können und damit die Qualität der Pflege steigt.

Fazit – alles was standardisierbar ist können Maschinen machen

Lösen wir uns also von einer eingeengten Sichtweise auf die Robotik und ermöglichen es damit, die Mensch-Maschinen-Kooperation positiv zu definieren. Am Ende kann ein Roboter alle Tätigkeiten übernehmen, die standardisierbar und für uns in der Durchführung oftmals lästig sind. Der Mensch setzt seine Kernkompetenz in diesem System ein, um mit Kreativität und emotionaler Intelligenz eine größere Wertschöpfung zu schaffen!