Kultureller Wandel? Was Unternehmen für eine erfolgreiche digitale Zukunft benötigen
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Nach der Krise ist vor der Krise – wie Sie mit Digitalisierung die Widerstandsfähigkeit ihres Unternehmens steigern!

Businessman on blurred background with broken crisis arrow 3D rendering

D ie Corona-Krise ist ein tiefer Einschnitt und zeigt, wie verletzlich unser Wirtschaftssystem geworden ist. Umso mehr bin ich davon überzeugt, dass die aktuelle Krise den digitalen Wandel an vielen Stellen beschleunigen wird. Ähnlich wie an der Börse wird die zu erwartende Rezession zwar zu wirtschaftlichen Herausforderungen für viele Unternehmen führen, die langfristigen Trends und Entwicklungen werden davon aber nicht berührt.

In einem ersten Whitepaper gehen Zukunftsforscher von vier unterschiedlichen Szenarien für die Zeit nach der Corona-Krise aus. Die möglichen Vorstellungen reichen von totaler Isolation der einzelnen Nationalstaaten, über einen Rückzug ins Private oder die Möglichkeit eines permanenten Krisenmodus bis hin zur „resilienten Gesellschaft“. Vergleichen wir die Szenarien mit den Megatrends, gehe ich fest davon aus, dass das vierte Szenario am wahrscheinlichsten ist.

In der Beschreibung dieses Szenarios heißt es: „Die Welt lernt und geht gestärkt aus der Krise hervor. Wir passen uns besser den Gegebenheiten an und sind flexibler im Umgang mit Veränderung. Die Weltwirtschaft wächst zwar weiter, aber deutlich langsamer, mancherorts zeigt sich bereits Stagnation. Unternehmen in solchen Umfeldern brauchen neue Geschäftsmodelle und müssen unabhängiger vom Wachstum werden.“

Das zeigt deutlich, trotz zahlreicher kurzfristiger Maßnahmen dürfen die Unternehmen die langfristigen Entwicklungen nicht aus dem Blick verlieren! Die Beschleunigung des digitalen Wandels wird dazu führen, dass die Chancen für digitale Lösungen sowie eine Optimierung im eigenen Prozessablauf schnell vorangetrieben werden sollten. Alles mit dem Ziel, die Unternehmen widerstandsfähiger (= resilienter) zu machen.

Dazu gibt es meines Erachtens für Unternehmen drei konkrete Ansätze:

  • Die eigenen Prozesse sollten dank digitaler Tools deutlich effizienter und flexibler gestaltet werden.
  • Neue Technologien sollten dazu genutzt werden, die Abhängigkeit von Dritten zu reduzieren.
  • Die Lösungen in Form von Produkten und Dienstleistungen sollten strategischer auf die künftigen Trends ausgerichtet sein.

Dabei ist die Digitalisierung nicht nur für große Unternehmen relevant, sondern vor allem für die kleinen und mittelständischen Unternehmen eine große Chance, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Der größte Vorteil des Mittelstands für die Zeit nach der Krise ist seine Flexibilität, diese ist für künftige Wertschöpfungsnetzwerke besonders wertvoll. Geprägt vom Megatrend der Individualisierung werden Produkte künftig in kleinen oder kleinsten Mengen flexibel gefertigt werden müssen und das Ganze zu Kosten, die bislang nur in Massenproduktion möglich sind. Die Flexibilität moderner Maschinen und Anlagen sowie deren Kommunikation untereinander in Echtzeit nach Industrie 4.0 Standard eröffnen in der Produktion ganz neue Chancen.

Der Flexibilität im Mittelstand stehen heute mangelnde Transparenz der Prozesse und fehlende Softwareunterstützung gegenüber. Darüber hinaus werden zwar bestehende Produkte weiterentwickelt, aber nicht ausreichend in ganz neuen Zusammenhängen und Lösungsansätzen gedacht. Diese Einstellung, die in der Regel fest im Unternehmen und den Köpfen der Mitarbeiter verankert ist, sorgt für Verschwendung, also Minimierung des potenziellen Gewinns. Im schlimmsten Fall ist diese sogar existenzbedrohend, wenn zum Beispiel ein Kunde neue Standards in der Steuerung und Dokumentation der Prozesse fordert, die sich nicht einfach in der Produktion umstellen lassen. Es ist also höchste Zeit auch als kleines Unternehmen etwas zu ändern.

Prozesse effizienter gestalten, dann geeignete Software auswählen

Die Zukunftsbilder in der Industrie zeigen hochautomatisierte Fertigung „Industrie 4.0“ in sauberen Industriehallen, selbstständig fahrende Transportmittel und Werkstücke, die sich dank digitalem Zwilling einen eigenen Weg durch die Produktion bahnen. Wann genau diese Vision flächendecken Wirklichkeit wird, ist noch nicht absehbar. Fest steht, die heutige Situation vor allem in kleinen und mittelständischen Unternehmen ist davon noch weit entfernt und überwiegend analog.

Die Gründe dafür sind vielfältig, unter anderem mangelt es an Investitionen in neue Technologien und einem Plan, welche Ziele ein Unternehmen mit der Digitalisierung erreichen möchte. Oftmals scheitern Überlegungen in diese Richtung an der Bereitschaft der Mitarbeiter notwendige Veränderungen zu akzeptieren. In vielen Betrieben sind die Kalkulationen und Abläufe über Jahrzehnte eingefahren und werden gar nicht mehr hinterfragt.

Störungen dieses Prozesses zeigen sofort die Schwächen auf, Bauteile werden gesucht, Dokumentation ist nicht vorhanden, Informationen oder gar eine kaufmännische Kalkulation der Prozessstörung sind nicht verfügbar. Dies bedeutet, es gibt eine Menge an Ressourcenverschwendung, um das Produkt noch in der gewünschten Qualität zu fertigen und auszuliefern.

Um Verschwendung zu reduzieren, muss sie als allererstes identifiziert werden. Hierbei spielt die Prozesstransparenz eine besondere Rolle. Mit Hilfe einfacher Software, können Prozesse von der Angebotsstellung über die Beauftragung, die Produktion, Qualitätskontrolle bis hin zur Rechnungsstellung dokumentiert werden. Damit ist nicht nur ersichtlich, an welcher Stelle im Prozess sich ein Bauteil aktuell befindet, sondern gleichzeitig, an welchen Stellen noch Optimierungsmöglichkeiten liegen.

Die Software ist dabei nur das Werkzeug, der dahinterliegende Prozess das Entscheidende. Nach einer IST-Analyse von Abläufen im Betrieb kann eine SOLL-Beschreibung den Zielzustand aufzeigen. Die identifizierten Lücken können durch entsprechende Umstrukturierung geschlossen werden. Wichtig ist dabei, die Mitarbeiter eng einzubinden und sich in der Umsetzung zunächst die großen Probleme vorzunehmen, nicht alles auf einmal angehen. Wenn dann auf dieser Basis noch eine geeignete Software ausgewählt wird, besteht die realistische Chance auf nachhaltige Veränderungen.

Ein gutes Beispiel ist die Einführung eines BetriebsDatenErfassungs-Terminals (BDE), in dem alle auftrags- und fertigungsbezogenen Daten in der Produktion erfasst werden. Dieses Terminal hilft, nicht nur Daten für den Produktionsleiter zu erfassen und zu analysieren, sondern schafft auch gegenüber den MitarbeiterInnen vollständige Transparenz. Die Einführung eines solchen Terminals, an dem nach einzelnen Arbeitsschritten die Aufträge gescannt werden müssen, scheitert im Betrieb oftmals schon am Standort. Wird es in einem entlegenen Eck aufgehängt, ist der Weg vom Arbeitsplatz so weit, dass die Erfassung unter Zeitdruck oder bei Kleinstmengen nicht vollständig durchgeführt wird.

Nutzung neuer Technologien für mehr Unabhängigkeit und Kostenersparnis

Ergänzend zur Prozessgestaltung kommt neuer Technologie eine enorme Bedeutung zu, wollen die Unternehmen künftig flexibler agieren. Das beginnt mit der Investition in einen modernen Maschinenpark, der nicht nur auf die Fertigung eines besonderen Werkstücks ausgerichtet ist. Darüber hinaus können neue Maschinen und Technologie dabei unterstützen, die Flexibilität als Anbieter von Produkten insgesamt zu erhöhen.

Ein gutes Beispiel dafür sind 3D-Drucker, die heute bereits in der Lage sind, unterschiedlichste Materialien in sehr guter Qualität zu fertigen. Diese sind vor allem für den Einsatz im Bereich des „Rapid Prototyping“ oder bei Kleinstserienfertigung geeignet. Die Herstellung des einzelnen Bauteils dauert zwar lange, aber dafür ist der 3D-Drucker nicht an die Limitationen konventioneller Anlagen gebunden.

Mittelfristig ist selbst ein kleines Unternehmen mit etwas Knowhow in der Lage, seinen Kunden individualisierte und optimierte Bauteile zu fertigen, die auf Abruf einzeln gefertigt werden und dies alles zu nicht wesentlich höheren Kosten. Damit schaffen die Unternehmen mehr Unabhängigkeit von Lieferanten und deren Bereitschaft auch kleinere Serien schnell zu fertigen und zu liefern.

Ein weiteres Beispiel, das sich in der aktuellen Krise besonders zeigt, ist die Veränderung der Büro- und Arbeitswelt. Seit fast alle Betriebe in Deutschland ihre Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt haben, sind Videokonferenzen der neue Standard. Früher eher etwas für die Technikaffinen, haben mittlerweile viele Mitarbeiter Gefallen daran gefunden. Die digitalen Tools sind heute schon so ausgereift, dass sie ohne große Probleme funktionieren. Für die Unternehmen lassen sich auf diese Weise nicht nur Reisekosten einsparen, sondern vor allem die Produktivzeit der Mitarbeiter erhöhen. Gleichzeitig werden neue Bürokonzepte mit deutlich weniger Schreibtischen als Mitarbeiter auskommen, da Home-Office als integraler Bestandteil einer modernen Arbeitsumgebung akzeptiert ist.

Strategien an den Trends von morgen ausrichten

Die aktuelle Wirtschaftskrise mag zwar den unternehmerischen Alltag bestimmen, dennoch wird die Entwicklung nach der Talsohle wieder in Richtung der Mega- und Makrotrends gehen. In vielen Bereichen, wird sich die Erreichung der Trends eher noch beschleunigen, wie die obenstehenden Ausführungen deutlich machen.

Für die Unternehmen ist es umso wichtiger ihren Kunden mit seinen Bedürfnissen von morgen zu kennen, um heute die richtigen Entscheidungen zu treffen. Diese Trends lassen sich sehr konkret anhand von heute bereits in den Markt kommenden Innovationen konkretisieren. Die Unternehmen sollten ihre Themen genau kennen und Wege finden, wie sie sich über die aktuellen Innovationen und Trends regelmäßig informieren.

Bereits die nächste Idee eines innovativen Startups könnte schließlich ihre Branche massiv unter Druck setzen. Beispiele dafür gibt es in der Vergangenheit genug, von der mp3-Tauschbörse Napster, die als Mutter aller Streamingdienste gilt und die CD zum Liebhaberprodukt verkommen ließ. Bis hin zu TESLA, der eine große etablierte Branche in puncto Elektromobilität und Nutzererlebnis vor sich hertreibt.

Neben der reinen Beobachtung des Marktes und Wettbewerbs, sollten Unternehmen zudem selbst in neuen Produkten, Dienstleistungen und Geschäftsmodellen denken. Hierbei spielen digitale Anwendungen eine besondere Bedeutung, werden künftig die Produkteigenschaften überwiegend von den Softwareeigenschaften bestimmt. Die gute Nachricht für den Mittelstand ist hierbei, für das Innovation Monitoring gibt es mittlerweile sehr gute Unterstützung und bei der Entwicklung innovativer Produkte für die Kunden von Morgen können sich die Unternehmen auf jeden Fall auf die Kreativität ihrer Mitarbeiter verlassen, sofern sie die organisatorischen Voraussetzungen dafür schaffen.

Womit fangen Sie morgen an?

Die aktuelle Krise und vor allem ihr schnelles Entstehen hat gezeigt, Unternehmen müssen in Zukunft deutlich flexibler und widerstandsfähiger (resilienter) werden. Der digitale Wandel hat mit der Krise nochmals an Fahrt aufgenommen, kein Unternehmen kann sich mehr entziehen.

Das größte Problem in kleinen und mittelständischen Unternehmen ist die fehlende Transparenz über die Prozesse und den exakten Arbeitsstand, bzw. den damit verbundenen Kosten. Viele Geschäftsführer steuern ihr Unternehmen aus dem Bauch und kalkulieren über den Daumen aufgrund jahrelanger Erfahrungswerte. Alles Getreu dem Motto „das hat schon immer so gepasst und wenn am Ende genug übrig bleibt ist das schon gut“.

Diese Einstellung funktioniert im Normalbetrieb einigermaßen gut und da nicht wirklich transparent ist, an welchen Stellen sich Verschwendung reduzieren ließe, gibt es wenig Anlass zur Veränderung. Im Moment der Krise, zum Beispiel das Wegfallen eines wichtigen Kunden oder externen Ereignissen wie die aktuelle Corona-Verbreitung, führen zu unkontrollierten Reaktionen, da überhaupt nicht klar ist, an welchen Stellen am besten steuernd eingegriffen werden sollte.

Daher gibt es vier Empfehlungen, mit denen Sie Ihr Unternehmen krisenfest machen:

  1. Verschaffen Sie sich Klarheit und Transparenz in Ihrem Unternehmen, identifizieren Sie im IST-Prozess die Verschwendungen und entwickeln Sie einen idealen SOLL-Prozess.
  2. Nutzen Sie modernste Technologien in Hardware und Software, um sich unabhängiger von Dritten zu machen und besser in flexiblen Wertschöpfungsnetzwerken anbieten zu können. Dies können neue Maschinen wie ein 3D-Drucker für Einzelteilfertigung oder KI-gestützte Softwareprodukte sein, die Ihnen bei der Prognose und Verarbeitung helfen.
  3. Identifizieren Sie die Trends und lernen Sie daran Ihren Kunden von morgen kennen. Finden Sie basierend auf Ihrer Kompetenz neue Lösungen, auch außerhalb Ihrer bisherigen Branche. Denken Sie nicht nur in neuen Produkten, sondern bauen Sie neue Geschäftsmodelle.
  4. Binden Sie für alle Schritte Ihre MitarbeiterInnen mit ein und nutzen Sie das vollständige kreative Potenzial. Suchen Sie sich für die Begleitung der genannten Themen eine externe Unterstützung.

 

Ich bin fest davon überzeugt, dass die aktuelle Krisensituation ein Beschleuniger für viele der in diesem Beitrag erwähnten Themen ist. Jetzt nicht den digitalen Wandel im eigenen Unternehmen gestalten zu wollen und damit vor allem die Widerstandsfähigkeit des Unternehmens nachhaltig zu steigern ist grob fahrlässig.

 

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