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Die Mobilität der Zukunft ist digital und nachhaltig

Ridesharing and carpooling concept in the city

M obilität ist ein ganz wesentlicher Treiber unserer gesellschaftlichen Entwicklung. Schon in frühester Menschheitsgeschichte war die Entwicklung des homo sapiens mit großen Wanderungsbewegungen verbunden. Durch die extreme hohe Anpassungsfähigkeit waren Menschen in unterschiedlichsten Klimazonen und Geografien überlebensfähig und immer mobil. Vor allem im geschäftlichen Kontext spielt das Thema Mobilität eine große Rolle, eigene Stellen, bzw. ganze Abteilungen in den Unternehmen zur Abwicklung von Reisen sprechen für sich. Viele geschäftliche Termine sind heutzutage an Reiseaktivitäten der Beteiligten geknüpft und mit zunehmender Akzeptanz verteilter Arbeit nimmt das Mobilitätsbedürfnis eher zu als ab. Mobilität von Personen und Gütern ist also nicht nur eine notwendige Voraussetzung für geschäftliche Aktivitäten in einer modernen Welt, sondern gleichzeitig selbst eine eigene Branche, in der umfangreiche Dienstleistungen zur Wertschöpfung beitragen. Auf der anderen Seite ist unser Mobilitätsbedürfnis ein wesentlicher Verursacher von klimaschädlichen Stoffen und alleine die notwendige Infrastruktur bedingt zum Teil massive Eingriffe in die Landschaft und Natur. Unser Bewusstsein für diese Ursachen führt dazu, dass wir in vielen Bereichen eine „Mobilitätswende“ herbeisehnen und vor allem durch den Einsatz digitaler Technologien versuchen, die negativen Begleiterscheinungen der Mobilität abzumildern. Was können die einzelnen Unternehmen dazu beitragen? Sehr viel! Neue Mobilität fängt bei jedem Einzelnen an. Unternehmen können selbst einen Beitrag zum kulturellen Wandel in unserem Mobilitätsverständnis leisten und gleichzeitig an verschiedenen Stellen von neuen Formen der Mobilität unmittelbar profitieren.

 

Neues Arbeiten als wirksamer Treiber für weniger Verkehr?

Eines der größten Ärgernisse einer immer mobileren Gesellschaft sind der Kampf um die vorhandene Infrastruktur. Jeder Berufspendler kennt die Situationen allzu gut, der morgendliche Stau in die Stadt oder völlig überfüllte Bahnhöfe und Züge. Der Weg zur Arbeit ist damit für viele Betroffene nicht nur beschwerlich, sondern kostet in jedem Fall unter dem Strich eine Menge Zeit. Die Frage, die sich die Unternehmen daher zunächst stellen können ist, in wieweit die Präsenz der Mitarbeiter an allen Arbeitstagen notwendig ist. Sicherlich, der persönliche Kontakt unter Kollegen oder Chef und Mitarbeiter ist durch nichts zu ersetzen, aber in vielen Fällen ließe sich ein Präsenzmeeting auch über eine vernünftige Video- oder Telefonkonferenz abwickeln. Vor allem in der jüngeren Generation lässt sich bereits beobachten, dass in zahlreichen Berufen die Grenze zum Privatleben immer stärker aufweicht. Emails werden heutzutage rund-um-die-Uhr gelesen, feste Arbeitszeiten von 9 bis 5 sind eher die Ausnahme, als die Regel. Das soll nicht bedeuten, dass alle künftig mehr arbeiten, aber es lassen sich viele Dinge miteinander besser kombinieren, was früher nicht möglich war. Am Nachmittag mal ein Kind zum Fußballtraining begleiten und dafür abends noch die Präsentation für den nächsten Tag fertigstellen kann ein Beitrag zu einer guten Vereinbarkeit von Familie und Beruf sein. Neben der täglichen Fahrt zu Arbeit sind vor allem die Dienstreisen wahre Zeitfresser, bedürfen sie schon eines gewissen Vorbereitungsaufwands. Schließlich bringt jede noch so gut organisierte Reise Transferzeiten mit sich, bei denen man nicht produktiv sein kann. Schon die Verkehrsträgerwahl hat hierauf einen großen Einfluss. Betrachten wir hierbei das reale Beispiel einer geschäftlichen Reise von Frankfurt nach Berlin: Der Inlandsflug ab Frankfurt Airport ist mit der reinen Flugzeit (ca. 55 Minuten) zwar deutlich kürzer als die Fahrt mit dem ICE Sprinter (ca. 4 Std.). Rechnet man aber Sicherheitskontrolle, Boarding, Fahrten auf dem Rollfeld und vor allem die notwendigen Pufferzeiten mit ein, kommt man auf eine Gesamtreisezeit von ca. 3 Stunden. Das ist zwar immer noch etwas kürzer, hat aber den Nachteil, dass man faktisch aufgrund der jeweils kurzen Abschnitte kaum etwas sinnvoll arbeiten kann. Im Zug hingegen lautet das Motto: einsteigen, Laptop an und los geht’s. In der Regel hat man damit schon einen halben produktiven Arbeitstag erledigt, bis man in Berlin einfährt. Alles in allem sollte man aber dennoch jede Reise kritisch überdenken, ist der Aufwand das persönliche Treffen wert? Gibt es ggf. alternative Möglichkeiten, Reisen zu vermeiden oder zu reduzieren?

 

Digitale Vision: Hologramme, KI-unterstütze Reiseplanung, E-Mobilität, Nachtzüge

Mit der heutigen Video-Telefonie können Besprechungen schon sehr gut simuliert werden. Der Mensch ist darauf aus, Worte nicht nur zu hören, sondern die entsprechende Mimik und Gestik seines Gegenübers mit aufzunehmen. Schon mit wenig Technik lassen sich hierbei gute Ergebnisse erzielen, dennoch fehlt weiterhin das Gefühl des persönlichen Zusammentreffens. Digitale Technologie wird hier in den nächsten Jahren sicherlich einen Beitrag leisten, wenn wir uns künftig in virtuellen Meeting-Räumen bewegen können und Hologramme unserer Gesprächspartner in den Raum projiziert werden. Auch bei der Planung von Terminen und Reisen steckt noch enormes Optimierungspotenzial. Oftmals wird bei der Vereinbarung für ein Treffen nur nach den freien Verfügbarkeiten im Kalender gesucht. Es wird aber nicht oder nur wenig abgeglichen, wann sich die Wege der Gesprächspartner in den nächsten Wochen kreuzen oder wann man sich zumindest geografisch gesehen, näherkommt. Würden diesen Informationen einem neutralen Mittler vorliegen, könnten mit Hilfe KI-basierter Algorithmen optimale Reiserouten berechnet werden. Dies führt zu einer deutlichen Reduzierung der Reisezeiten und damit einem höheren Anteil produktiver Zeit. Lassen sich Reisen nicht vermeiden, sollte die Terminplanung so gut gestaltet sein, dass sie nicht nur stressfrei, sondern auch unter Einsatz möglichst klimaneutraler Verkehrsträger stattfinden können. Wer mit dem Auto unterwegs ist und nicht zum Einhalten von Terminfenstern schneller als 120 auf der Autobahn fahren muss, spart Energie (Sprit oder Strom). Gleiches gilt innerhalb Europas in vielen Fällen für den Zug, anstelle des Flugzeugs. Vielleicht würde ein massiver Ausbau von guten Nachtzugangeboten einen Beitrag dazu leisten können, am nächsten Morgen gut ausgeruht an einem Zielort anzukommen und damit eine Übernachtung im Hotel zu sparen. Den Gedanken sind an dieser Stelle keine Grenzen gesetzt.

 

Klare Regeln schaffen, was ist wann wie wichtig und welchen Beitrag leisten wir als Unternehmen?

Für die Unternehmen liegt künftig die Herausforderung darin, moderne Formen der Arbeit, Reduzierung von Reise- und Transferzeiten und klimaneutrales Verhalten unter einen Hut zu bringen. Ich sehe hier keinen Widerspruch, sondern eine große Chance. Der Weg dorthin hat mehrere Stufen:

  1. Definieren Sie klare Kommunikationswege: Für welche Art von Informationsaustausch ist welcher Kommunikationskanal relevant. Fragen sie VOR jedem persönlichen Meeting, ob das persönliche Zusammentreffen einen Mehrwert stiftet, der sich nicht digital, also über eine Video- oder Telefonkonferenz abbilden lässt.
  2. Investieren sie in solide Technik zur einfachen Durchführung von Videokonferenzen. Nichts ist ärgerlicher, als wenn die Technik nicht funktioniert und sich Meetings dadurch verzögern.
  3. Ermöglichen sie ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern großzügige Homeoffice-Regelungen, bzw. schaffen sie im Büro Räume für Stilles und für vernetztes Arbeiten. Dies fördert zunehmend die Bereitschaft, Meetings im virtuellen Raum abzuhalten.
  4. Geben Sie die Rahmenbedingungen für die Reiseplanungen vor, hinsichtlich der priorisierten Verkehrsträgerwahl sowie der Puffer- und Transferzeiten. Digitalisierung kann anhand von prognostizierten Streckenauslastungen einen Beitrag zu einer realistischen Planung leisten. Veranlassen sie für unterschiedliche Verkehrsträger Kompensationszahlungen, um die Investition in neue Energieformen (z.B. alternative Treibstoffe) zu fördern.
  5. Nutzen Sie die umfangreichen Fördermaßnahmen im Bereich der Elektromobilität und im Nahverkehr, um ihre Fahrzeugflotte zu modernisieren und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch Fahrräder und Jobtickets zur Verfügung zu stellen.

Mit diesen Maßnahmen können Sie einen entscheidenden Beitrag zu einer zukunftsfähigen Mobilität leisten und vielleicht erleben wir es dann erstmals in der Geschichte der Menschheit, dass die Mobilität gemessen in Personenkilometern nicht mehr zwingend jedes Jahr zunimmt.

 

Womit fangen Sie morgen an?

Eine Veränderung unseres Mobilitätsverhaltens beginnt im Kopf und Sie können ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht dazu zwingen. Daher ist es wichtig, dieses in ihren Unternehmen einzubinden, wenn Sie die Ziele von effizienterer Reisezeit und klimafreundlicherer Mobilität überzeugen wollen. Dazu sind im ersten Schritt keine großen Investitionen notwendig:

  • Besprechen Sie mit ihren Mitarbeitern, welche Bedürfnisse hinsichtlich mobilem Arbeiten und Homeoffice-Regelungen bestehen und wo sie gegebenenfalls neue Regelungen vereinbaren müssen.
  • Erarbeiten Sie Kommunikationsleitlinien um transparent festzulegen, wann ein Präsenzmeeting notwendig ist und wann man auf andere Kommunikationskanäle umsteigen kann.
  • Schaffen Sie eine Video-Konferenz-Software an und nutzen Sie diese selbst in der Kommunikation mit Mitarbeitern und Geschäftspartnern. Standardmäßig sollte die erste Frage bei einer Terminvereinbarung immer lauten, ob dieser Termin auch online durchgeführt werden kann.
  • Informieren Sie sich zu den Fördermaßnahmen für Elektromobilität, die Anschaffung von Dienstfahrrädern oder Jobtickets.

  #einfachmachen Dr. Alexander Bode